Episode 2

'Remigration ist Blödsinn'

 

Keenum und Nase

 


„Machen mir ein Bier, Helles oder Pils. Aber kein Male-Ale oder so ein heimatloses Gewäsch! Ein Bier von hier!“
Genervt von diesem Befehlston, und der Negativität die darin mitschwang, zapfte die Barkeeperin ihm Bier einer Münchner Großbrauerei, das nach Aussage ihrer Bekannten ‚nur noch grausam‘ schmecke, seit ein Großkonzern die Brauerei übernommen hatte. Ohne zu danken marschierte Nase damit zur Brüstung, steckte sich eine Zigarette an und blickte streng übers Land.
    Keenum bestellte sich auch ein Bier, jedoch vorzugsweise ein dunkles und egal woher. Damit trottete er ebenfalls zur Brüstung, in zwei Meter Abstand zu Hauptmann Nase, und genoss die tierstehende Sonne, die das Land in intensive Farben tauchte.
„Können froh sein noch hier sein zu dürfen“, begrüßte ihn Nase nach einiger Zeit und einem weiteren Zug von seiner Zigarette. „Nach der Wahl, die wir natürlich gewinnen, beginnen wir mit Re-Migration. Danach wird’s uns allen besser gehen.“
„Ich habe kein Problem damit, zurück nach Irland zu gehen“, gab sich der Wandermönch unbeeindruckt. „Die Menschen dort sind so freundlich und herzlich und haben einen guten Humor. Wenn ich mir dich so anschaue, ist der Vorschlag sogar richtig attraktiv.“
„Pah!“
„Im sechsten Jahrhundert bin ich gekommen, um euch das Christentum zu bringen. Heute könnte ich Leuten wie dir Kultur und Menschlichkeit bringen. Aber wenn du das nicht möchtest, dann ziehe ich weiter. Ist ja auch mein Job …“
„Du verstehst die gesamt-soziale Langzeitwirkung nicht, sonst würdest du nicht so reden!“
„Sven’s Firma würde stillstehen, weil fast die gesamte Fertigung ausgesiedelt würde. So viel habe ich verstanden. Für das schlaue Blabla der Chefs und Büroleute wird wohl kein Kunde was zahlen wollen … Und diese Firma zahlt viel an Gewerbesteuer, die euch dann wegbricht. Tja.“
„Dafür rücken Deutsche nach, die bislang keine Arbeit finden können.“
„Sie suchen doch schon lange nach Verstärkung. Die Deutschen sitzen aber alle lieber im Büro.“
„Du willst es wohl nicht verstehen, was?“, fuhr Nase ihn scharf an.
„Und wo genau setzt ihr den Zeitpunkt an, an dem ihr Deutsche und Fremde definiert? Also: historisch betrachtet. Präzis bitte!“
„Wo ist denn da die Frage?“
„Ich denke in anderen Dimensionen – bin ja auch schon lange auf der Welt unterwegs …“
„Pah!“
„Wenn ihr sagt ‚die wo schon immer hier waren‘, dann wird das schwierig“, führte Keenum aus. „Dann müsst ihr auch die Westgoten aus Spanien zurückholen, und die Langobarden aus Norditalien. Die gehören dann nämlich hierher.“ Er legte eine kurze Pause ein, bevor er fortfuhr. „Fünfzehntausend Namibia-Deutsche erklären sich ja schon von selbst.“
„Jetzt reicht’s aber!“, protestierte der Hauptmann.
„Nein, jetzt noch nicht“, widersprach der Wandermönch. „Dann haben wir noch etwa zehn Millionen Amerikaner, die sich selbst als ‚deutsch‘ bezeichnen. Die müssen auch wieder nach Deutschland. Und wer bitte soll diese ganzen Umzüge finanzieren? Sven’s Firma fällt ja schon weg. Und eure neue Ordnung hat noch lange nicht Fahrt aufgenommen. Ihr habt das mit der Re-Migration schon zu Ende gedacht?“
„Du kommst dir wohl sehr gewitzt vor, was?“, schleuderte Nase ihm wütend entgegen.
„Ja, schon ein bisschen“, erwiderte Keenum gelassen. Sein Gegenüber wusste nicht, ob er die Wirkung seiner Worte berechnet hatte, oder wirklich so schrullig war.
„Von da drüben hast du einen besseren Ausblick“, schlug ihm der Wandermönch noch vor.
Nase fasste das als Aufforderung auf, von hier zu verschwinden. „Wir sprechen uns noch!“, fauchte er.
„Ja, gerne. In welchem Abenteuer kann ich gegen dich antreten?“
„Du wirst mir helfen, meinen Erzfeind Woidl zu finden – wenn du schon so schlau und gewitzt bist! Der hat sich im Moor versteckt. In Teil 3 ploppt er auf.“
„Darauf trink’ ich noch eins.“
„Was, schon fertig?“
Der Mönch brachte sein leeres Glas zum Tresen zurück.
„Darf’s noch eins sein?“, fragte die Barkeepern, während sie schon das nächste für ihn zapfte. „Wenn Nase an die Macht kommt, werde ich von hier weg migriert. Dann muass I z’ruck …, nach Fürstenfeldbruck. Aber solange ich hierbleiben darf, kann ich dir eins zapfen.“
„Pah!“, spottete Nase, sprang vom Dach und flog über die Felder und Wälder davon, seinem Abenteuer entgegen.

 

Keenum der irische Wandermönch führt einen privaten Kampf gegen alle Strigoi und Vampire, in der Reihe "Strigoi Slayer Sven"

Strigoi Slayer Sven, Band 1, Das Erwachen

 

Und Nase ist einer der beiden Bösewichte im dritten Band der Reihe "Der sich im Moor versteckt"

Der sich im Moor versteckt, Band 3, Am Nudelgraben