„Ich musste mal wieder raus“, erzählte Woidl, der dynamitliebende Illuminat aus dem Bayrischen Wald, was ihn hierher brachte. „Im Erdinger Moos musste ich nicht nur daran denken, wie ich ganz früher als armer Torfstecher gearbeitet habe, sondern auch an euch.“ 
„Das ist ja fast schon ein Kompliment!“, ermahnte ihn Fiona die Fee scherzhaft. „Überleg dir nochmal, ob du das wirklich willst!“ 
„Statt euch war da aber ein Freizeitpark“, ging er darüber hinweg. „Ist ja auch nur vernünftig, wenn sie den blöden Sumpf endlich sinnvoll nutzen.“ 
„He! Das war meine Heimat!“, beschwerte sich die Fee. „Und die Heimat vieler bedrohter Arten, deren Zukunft mir jetzt Sorgen bereitet!“ 
„Aber deswegen bist du nicht weiter zu uns?“, warf Salva die Salige Frau ein. 
„Klug und weise kombiniert, wieder mal“, räumte er ein. „Das Bier, das sie da ausschenken, ist grausig.“ 
„Jaha!“, freute sie sich. „Das ist unser Woidl, wie wir ihn kennen! Übrigens braue ich hier eigenes für die Rooftop-Bar. Verwandel dich doch mal zum Biermolch!“, wünschte sie sich. „Dann kannst du im Tank schwimmen und es veredeln.“ 
„Du glaubst immer noch an den alten Scheiß mit Zauber und Sprüchen? Ich mein’: ich mach’ das gern. Nicht wegen dem Hokuspokus, nicht um dir zu helfen, sondern weil’s Bier ist.“ 
„Da hast du recht“, konterte sie mit der ihr eigenen Diplomatie. „Dass du daran nicht glaubst.“ 
„Ich bin Illuminat – schon vergessen?“ 
„Nein, natürlich nicht. Aber ich fühle mich für das optimale Ergebnis meiner Braukunst verantwortlich. Bei uns Saligen ist immer alles perfekt, das erwartet man von uns. Da kommt mir jeder billige Trick gerade recht.“ 
„Sag mal!“, interessierte es Maria als menschlichen Besucher des Rooftops. „Wie ist denn das jetzt mit den Illuminaten und dem Heiligen Gral? Was habt ihr damit zu tun?“ 
„Wo hast du denn den Scheiß her?“ 
„Filme …, Bücher …“ 
„Die machen sich’s zu einfach“, holte er aus. „Aufklärer, Freimaurer, Geheimbund und Heiliger Gral – das war die Strikte Observanz. Ihr Oberer von Hund hatte seine große Show darum inszeniert. Hatte mit Kontakten nach Frankreich und Schottland angegeben, wo der Heilige Humpen angeblich unter der Roslyn Chanel vergraben liegt. Und Bezüge des Ordens bis zurück zu den Tempelritten erfunden. Wisst ihr übrigens, dass die Oberen sich in Amerika Land kaufen wollten? Da ging’s nur ums Geld – also: dass es zu denen nach oben fließt. Genau deshalb haben wir Illuminaten uns abgespalten. Vor uns haben die Mächtigen Angst gehabt – nicht vor denen. Dabei hatten sogar Adlige mit uns zusammengearbeitet. Und mit Knigge und Montgelas hatten wir Namen bei uns gehabt, die heute noch nicht vergessen sind!“ 
Fiona war es etwas viel an menschlichen Thematiken und Eitelkeiten geworden. Sie deutete mit dem Finger auffordernd auf den Bottich. „Wer im Bier schwimmen will, soll im Bier schwimmen – und nicht labern.“ 
„Ja – das ist unsere alte Sumpfhexe!“, freute er sich über ihre Schlagfertigkeit und ging langsam weiter. „Aber sagt: was macht ihr jetzt, wo die Trilogie voll ist?“ 
„Oh“, setzte Timo an. „Wir gehen in die 2. Staffel – und sind sogar umgezogen, damit wir alle Platz haben.“ 
„Ist doch super.“ 
„Du ahnst wer wieder die ganzen Prügel einstecken darf?“ 
„Das schadet dir auch mal nix.“ 
„Was?“ 
„Wenn ich dir einen Laden in die Luft jagen soll: sag Bescheid! Und jetzt: Biermolch!“ Woidl sprang in die Luft, verwandelte sich dort, kam zurück, ließ sich von Maria auffangen und in ihren Händen tragen. Mit den Glupschaugen eines Molchs sah er zu ihr hoch.
„Hach, wie süß der Kleine!“


 

In Band 3 werden Illuminaten, Aufklärer und die großen Umbrüche der Zeit um 1800 genauer beleuchtet. Und was Knigge mit den nach ihm benannten Büchern wirklich zu tun hat (nicht viel). Und wer und was sich so alles im Moor versteckt. 
Wenn Dir der Stil dieser kurzen Episode gefällt: die Bücher der Reihe sind voll damit ;-) 

LINK

 

l.o.: Singschwäne bleiben über den Winter am Speichersee (fliegen auch übers Rooftop) 

r.o.: der Ausgleichskanal neben dem Isarkanal. Seit 100 Jahren wächst da eine Wildnis 

r.u. das ist Band 3